Welche Sprache ist die richtige? đŸ˜¶

Lautsprache, gebĂ€rdenunterstĂŒtzte Kommunikation (GUK), lautsprachbegleitende GebĂ€rden (LBG) oder Deutsche GebĂ€rdensprache (DGS)…?

Ja, es gibt viele Wege zu kommunizieren.

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Dieses Axiom ist mir aus den Grundlagen der Kommunikationstheorie (P. Watzlawick, J.H. Beavin, D.D. Jackson) besonders im GedĂ€chtnis geblieben. Ja, es stimmt: wir alle kommunizieren und das nahezu stĂ€ndig – unter anderem auch durch unsere Haltung, unsere Blicke, Mimik, Gestik.

Doch es ist ein Unterschied, ob wir kommunizieren oder ob wir unser GegenĂŒber damit erreichen, ob wir gesehen und „gehört“ und auch verstanden werden.

Michaela Röckelein

Gerade dies stellt nach meiner Erfahrung fĂŒr uns Eltern hĂ€ufig eine große Herausforderung dar und umso fordernder ist dies dann fĂŒr das „Außen“. Unsere Kinder zunĂ€chst zu sehen und zu „hören“ und dann auch zu verstehen ist etwas, das uns mal mehr und manchmal weniger gut gelingt.

Den Mut zu haben, das was wir verstehen auch zu verinnerlichen und danach zu handeln ist oftmals ein weiterer Schritt, den zu gehen es sich aus meiner Sicht immer lohnt, auch wenn wir dafĂŒr nicht immer VerstĂ€ndnis erwarten können.

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.

Ludwig Wittgenstein

Erst vor kurzem bin ich wieder auf dieses Zitat gestoßen und dabei ist mir einmal mehr bewusst geworden wie bedeutsam dieses gerade auch fĂŒr unsere Kinder ist.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie es war, als mein damals DreijĂ€hriger versuchte mit uns zu sprechen und wir alle dann am Tisch saßen und gerĂ€tselt haben, was er wohl meint. Wie wir uns gegenseitig auf der Suche nach Ideen befragt haben und alle möglichen Dinge ausprobiert haben in der Hoffnung erraten zu haben was er wollte. Mit unfassbarer Geduld hat mein Sohn damals immer wieder wiederholt was er uns mitteilen wollte. Ich kann nur ahnen wie er sich gefĂŒhlt haben muss, wenn er sah, wie leicht es Gleichaltrigen fiel sich ihrer Umwelt mitzuteilen. Es war eine sehr anstrengende Zeit mit vielen Zweifeln und hĂ€tte ich damals schon eine andere Möglichkeit gehabt mit meinem Sohn zu sprechen – wie viele verzweifelte Momente wĂ€ren ihm erspart geblieben?

Die Sprache bedeutet die Grenze der Welt fĂŒr unsere Kinder!

Was ist der richtige Weg?

Die Familien, die ich begleite fragen mich anfangs oft, welche Sprache fĂŒr ihr hörbehindertes Kind die richtige ist. Sie sind hĂ€ufig sehr verunsichert durch viele Meinungen, die von außen an sie herangetragen werden.

Niemand hat das Recht, die Pflicht oder die Aufgabe fĂŒr ein hörbehindertes Kind einen einzigen „richtigen“ Weg festzulegen.

Michaela Röckelein

Welchen Namen wir der Kommunikation mit unseren Kindern geben ist aus meiner Sicht nicht wichtig. Ob wir es Lautsprache, GUK, LBG, DGS oder einen Mix aus allem nennen.

Viel entscheidender ist, dass wir ĂŒberhaupt einen Weg finden mit unseren Kindern zu kommunizieren.

Einen Weg, durch den wir unsere Kinder mit all ihren BedĂŒrfnissen, mit ihren WĂŒnschen und Sorgen und allem was sie bewegt „hören“ können.

Einen Weg, der sicherstellt, dass unsere Kinder Ihre Welt – all ihre GefĂŒhle und Gedanken – zum Ausdruck bringen können.

Einen Weg, der keine Einbahnstraße ist, sondern der auch Antworten bereithĂ€lt.

Deshalb bin ich eine große BefĂŒrworterin eines breiten Angebotes, aus welchem das Kind und seine Eltern das auswĂ€hlen und anwenden können was ihnen nach ihrem Empfinden am meisten nutzt. Dazu gehört auch, im Laufe der Zeit vielleicht auch einmal einen anderen Weg einzuschlagen.

Die Eltern, die ich in ihrer Entwicklung begleite, bestĂ€rke ich darin, auf ihr Inneres zu hören, hinzuspĂŒren, wie sie mit ihrem Kind (derzeit) am besten „sprechen“ können.

Zu uns und unseren Kindern zu stehen ist unsere wahre Aufgabe.

Meiner Meinung nach gibt es nicht den einen richtigen Weg.

Es gibt unzĂ€hlig viele Wege und jeder kann fĂŒr diese eine Familie genau der richtige sein. Ich bin der Überzeugung, dass nur die Familien fĂŒr sich selbst entscheiden können, was fĂŒr ihr Kind hilfreich und fördernd ist. Alles andere ist aus meiner Sicht ĂŒbergriffig.

Daher empfinde ich es auch als Pflicht aller beteiligten Institutionen und FachkrĂ€fte die betroffenen Familien auf ihrem individuellen Weg zu unterstĂŒtzen und zu fördern.

Dazu gehört zuallererst eine ehrliche, offene, transparente und vor allem neutrale Darstellung aller möglichen Wege. Dies beinhaltet beispielsweise HausgebĂ€rdensprachkurse fĂŒr hörbehinderte Kinder und ihre Familien gleichermaßen wie lautsprach-fördernde Angebote. Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten und es ist nicht nur wichtig, sondern zwingend erforderlich den betroffenen Familien all dies ohne Wertung aufzuzeigen.

Wird mein Kind je Lautsprache verstehen? Wird mein Kind mit GebÀrdensprache im Leben zurechtkommen?

Niemand kann sagen, wie sich ein bestimmtes Kind entwickeln wird, wenn ihm die eine oder die andere Sprache angeboten wird. Wer dies dennoch tut, handelt aus meiner Sicht grob fahrlÀssig.

Was ich aber mit voller Überzeugung sage ist, dass ein Kind, welches sich nicht ausdrĂŒcken kann oder darf und welches seine BedĂŒrfnisse nicht adressieren kann, sich in der Folge auch nicht wahrgenommen fĂŒhlt und dies kann fĂŒr seine individuelle Entwicklung einen großen Schaden bedeuten.

Mein Wunsch ist es, dass alle Kinder erleben können, dass sie unendlich viele Möglichkeiten im Leben haben. Es ist unsere Aufgabe, ihnen dies vorzuleben und sie in ihrer Entwicklung so zu begleiten, dass sie irgendwann voller Selbstvertrauen ihren eigenen Weg gehen können.

Du möchtest gerne, dass ich Dich und Dein Kind in Eurem individuellen Entwicklungsprozess begleite?

Buche ein kostenloses 30-minĂŒtiges KennenlerngesprĂ€ch mit mir unter kontakt@michaelaroeckelein.de – ich freue mich, Dich kennenzulernen 😊.